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Impuls zum 24. Juli 2022

Zum 17. Sonntag im Jahrekreis

Von Gertrud Casel, Kommission Friedenspolitik (Trier)

Lasst uns zukunftsfähig werden
Herzlich willkommen zum Friedensgebet.
Mit der Dauer des Krieges in der Ukraine nehmen Elend und Gewalt dort zu – ebenso wie die Verfeindung. Viele setzen auf Sieg auf dem Schlachtfeld. Die Bereitschaft zu verhandeln, nimmt ab. Umso wichtiger ist es, den Blick auf die Zukunft zu richten, zukunftsfähig zu werden und zu bleiben. 

Wir bringen im Gebet unsere Ohnmacht und Angst vor Gott, aber auch unsere Hoffnung auf den verheißenen Frieden. Christus ist auferstanden, der Tod ist besiegt, die Welt erlöst –  durch das Kreuz hindurch. Wir wollen uns im Glauben an den Auferstandenen bestärken und in der Bereitschaft, an seinem Werk der Erlösung mitzuwirken. 

Lied 
„Im Dunkel unsrer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt“ (Taize) GL 766

Lesung aus dem Matthäus- Evangelium (Mt 5,3-10), Seligpreisungen
In jener Zeit sagte Jesus:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Auslegung 
Auslegung zu Matthäus 5,3-10 
Die Seligpreisungen lassen sich auch lesen als Anleitung zur Zukunftsfähigkeit, 3 Gedanken dazu:

Die Zukunft im Blick behalten, nicht in den Abgründen der Gegenwart versinken, ist von zentraler Bedeutung in dieser Krise. Es gilt die Hoffnung hochzuhalten, die Vision vom Frieden wachzuhalten, wie etwa der Prophet Jesaja sie beschreibt in den Bildern vom Wolf und vom Lamm, die friedlich beieinander liegen, von der Kuh und Bärin, die sich anfreunden, von Kalb und Löwe, die zusammen weiden (Jesaja 11,5-9). Auch damals ging es nicht um ein Tierpanoptikum, sondern um mächtige aggressive Imperien wie Assyrien, die Israel angegriffen und überfallen haben. Sie werden dennoch im verheißenen Friedensreich friedlich zusammenleben, so die Vision. Es gilt, wach zu bleiben für die Zeichen des jetzt schon angebrochenen Reiches Gottes. Denn Christus ist auferstanden, die Welt ist erlöst, auch wenn so viel unerlöst aussieht, so viel dagegenspricht. Gott wirkt Heil und Erlösung durch das Kreuz hindurch. Der neue Himmel und die neue Erde werden kommen – trotz allem.

Die Fähigkeiten, die auf diese Zukunft hin erforderlich sind und die wir jetzt ausbilden sollten, davon handeln die Seligpreisungen:

  • „Selig die arm sind vor Gott“ lernen, mit leeren Händen vor Gott zu stehen, nicht aufzurechnen, sondern Vertrauen zu haben, dass Gott in der Geschichte Heil wirkt, dass er die Zukunft, auch den so heiß ersehnten Frieden durch Krisen und Katastrophen hindurch herbeiführen wird. Es kommt nicht zuerst auf unsere moralische Anstrengung und Leistung an, sondern auf unseren Glauben und unser Vertrauen, aus dem heraus wir an Frieden und Gerechtigkeit mit bauen können und sollen.
  • „Selig die Trauernden“ Empathie, Mitleid haben mit den Leidenden, Compassion, und sich nicht abwenden, auch wenn das Leid und Elend länger andauert … es ist kein Grund, sich zu schämen, wenn uns angesichts der Bilder zerstörter Schulen und Krankenhäuser, verletzter oder getöteter Kinder und Erwachsener die Tränen kommen, es uns nahegeht, oder angesichts trauernder russischer Soldatenmütter….
  • „Selig die keine Gewalt anwenden“. Nicht alle Energie in den Streit um Pazifismus investieren oder in die Diskussion um Waffenlieferungen. Als Christin kann und soll ich doch die Haltung der aktiven Gewaltfreiheit einüben, sie trainieren im Zusammenleben mit anderen. Wenn viele das tun, wachsen die Chancen, dass aktive Gewaltfreiheit auch friedens- und sicherheitspolitisch relevant wird, dass der Primat der zivilen Krisenprävention nicht nur in den Leitlinien der Bundesregierung steht, sondern tatsächlich die Politik prägt, vor, nach und v.a. im Konflikt. Ich weise auf die Kampagne „aktiv gewaltfrei“ von pax christi hin, die im Oktober 2022 startet, das entsprechende Internetportal www.aktivgewaltfrei.de wurde am Gründonnerstag, den 14. April gestartet: „Dem Mythos von der Erlösung durch Gewalt begegnen wir, indem wir die aktive Gewaltfreiheit als dritten Weg stark machen“. 
  • „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“ Unrecht, Verletzung von Menschenwürde und Menschenrechten wahrzunehmen und daran zu leiden, ist eine Voraussetzung, eine Motivationsquelle, sich für Menschenrechte, Entwicklung und Frieden zu engagieren.
  • „Selig die Barmherzigen“ sich in den Strom der barmherzigen Liebe Gottes zu stellen, sie in uns fließen zu lassen und weiterzugeben… ohne dies kann das Engagement für Frieden, für Gewaltfreiheit leicht ein moralischer Kraftakt oder gar eine Überforderung werden.
  • „Selig, die ein reines Herz haben“… sich und anderen nichts vorzumachen, mit sich im Reinen zu sein, das ist möglich, wenn wir unsere Stärken und Schwächen, unsere Schuld erkennen. Dann ist Vergebung möglich und Versöhnung kann wachsen. Anderen vergeben, weil uns unsere Schuld vergeben wurde, dann werden wir innerlich frei und können authentisch sein. 
  • „Selig, die Frieden stiften“ zurzeit werden sie eher diffamiert als die Naiven, die Ahnungslosen, die nicht bereit sind zu kämpfen. Aber Jesus preist sie selig. Schon jetzt, die Zukunft hat angefangen: selig seid ihr! 

Lasst uns zukunftsfähig werden, mitwirken, dass Gerechtigkeit und Frieden an Wirkkraft gewinnen, wofür viele von Ihnen sich ja bereits einsetzen. Dann werden wir Zukunft vorwegnehmen, die Praxis weiterentwickeln, dass aktive Gewaltfreiheit mehr und mehr politikfähig wird.

Fürbitten  
Liedruf „Kyrie eleison“, GL 155

Gott, du Grund unserer Hoffnung, zu dir dürfen wir kommen, auch mit leeren Händen. Wir bitten dich:

Für die Opfer von Krieg und Gewalt, für die Verwundeten und Obdachlosen, für die Zurückgelassenen, für die Vetriebenen und Geflüchteten. Sei du ihnen nahe!
Liedruf: Kyrie eleison

Für alle, die wirtschaftlicher Ungerechtigkeit ausgesetzt sind, für die Unterdrückten und Ausgebeuteten, für die Hungernden und Armgemachten. Sende ihnen Unterstützer und Helferinnen!
Liedruf: Kyrie eleison

Für alle, die Macht haben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Rühre ihre Herzen an, auf dass sie dem Frieden dienen! 
Liedruf: Kyrie eleison

Für die christlichen Kirchen in der Ukraine und für unsere Kirche und alle, die sich in ihr einsetzen. Lass uns aus der Hoffnung auf Dich, an deinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens mitbauen.
Liedruf: Kyrie eleison

Du treuer Gott, lass unser Rufen nicht vergeblich sein! Amen.

Vater unser

Segen
Gott, segne und behüte uns, lasse Dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig! Segne uns, dass wir fähig werden, an deiner verheißenen Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit mitzuwirken. Amen.
 

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